Zappelphilippe im Netz

Die einen sprechen von «Seuche», die nächsten von «Sucht» und wieder andere von «sinnlosem Zeitvertreib»: Tönt ganz nach internetkritischen Pädagogen, die den Jungen das planlose Surfen im Web oder das Posten von Bildern und Videos im Minutentakt verbieten wollen, oder? Dabei geht es nicht um die virtuelle, sondern die reale Welt. Und um ein Spielzeug, das «theoretisch» ganz ohne Internet auch funktioniert: den «Fidget Spinner» – was übersetzt so viel heissen kann wie «Zappelphilipp-Kreisel». Ursprünglich als Antistress-Gerät und Tool für ADHS-Betroffene entwickelt, ist es zumindest für 2017 das Trend-Spielzeug, das weltweit zwischen Fingern kreist und für Aufmerksamkeit sorgt. Und genau diese weltweite Aufmerksamkeit, den «Hype», verdankt es dann eben doch wieder dem Netz, wo Fotos und Videos von besonders gelungenen oder eben speziell misslungenen Übungen mit dem Fidget Spinner viral um die Welt gehen. Das Teil ist – so ähnlich wie das Eis bei der «Ice Bucket Challenge» vor drei Jahren – Mittel zum Zweck, das so richtig Spass erst macht, wenn man die eigenen Leistungen auch der ganzen Welt zeigen kann. Aber dasselbe machen wir Web-Addicts ja auch mit Fotos, auf denen wir gar nichts Spannendes tun. Und was Posts angeht, so sind die meisten von uns eh schon «Zappelphilippe» oder «Spinner» – spricht also nichts dagegen, unseren Fingern von Zeit zu Zeit statt Tastaturen so ein Spielding zu gönnen, oder?

22.06.2017

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