Wie Digital Immigrants gemobbt werden

Ich kann nicht anders und muss das Thema der vergangenen Woche nochmals aufnehmen: Einige sind mit mir der Meinung, dass es durchaus spannend wäre, die eigene tägliche Scroll-Distanz zu kennen, und dass sie eine solche App downloaden würden. Wobei «downloaden» – das wissen auch wir Digital Immigrants – nicht unbedingt heisst, dass man dafür auch etwas bezahlen würde. Überhaupt bezahlen Natives online am spontansten für Musik-Downloads und für Konzertkarten, wenn es hoch kommt, und nach der dritten Rücksendung auch mal für Klamotten von Zalando. Das Scrollen kann aber auch anstrengend sein, wie ich vor Wochenfrist geschrieben habe. Und einen Ort gibt es, wo ich mich als Digital Immigrant vom Scrollen extrem gestresst bzw. unter Druck gesetzt fühle: Immer dann, wenn bei einer App oder Anmeldung der Jahrgang gefragt ist. Statt einfach nach vier Ziffern zu fragen (braucht ja kaum Zeit, das einzutippen), arbeiten die meisten mit einem Scroll-Down-Menü, so ungefähr von 2018 (gibt ja sicher viele Null- bis Einjährige, die sich anmelden wollen) bis 1900 (gibt unglaublich viele 118-Jährige, die sich einloggen). Und ein Digital Immigrant scrollt sich dann mühsam bis in die Sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts zurück und wird sich nicht nur seines Alters bewusst, sondern denkt auch noch alle fünf Scrolljahre daran, wie schön es damals doch war – ohne Internet und Scrollen. Das ist M-o-b-b-i-n-g, im Fall!

26.07.2018

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