Wenn der Smalltalk zum «Jodel» wird

Habe ich hier schon mal was zu «Jodel» geschrieben? Wahrscheinlich nicht, denn an sich ist das ja ein studentisches Thema und keines mit besonderem Bezug zu digitalen Immigranten. Für uns ist «Jodel» in erster Linie immer noch der natürliche (und manchmal weniger natürliche) Gesang von Sennen und Landfrauen, der sich unter anderem durch einen schnellen Wechsel zwischen «normaler» und Kopfstimme auszeichnet. Die vor allem bei Studierenden beliebte App «Jodel» (ja, es gibt auch eine Facebook-Seite dazu und auch ähnliche App in den USA namens Yik Yak) heisst wohl so, weil sie es den Nutzern (man munkelt, es gebe schon Millionen davon in Europa) erlaubt, so ähnlich wie ein/e Jodler/in spontan ein paar Laute von sich zu geben. Dabei gibt es hier weder Freunde noch Follower, jede und jeder kann hier anonym Posts absetzen und sieht dann, ob er von anderen ein Up- oder ein Downgrade erhält und – im schlimmsten Fall – dann gelöscht wird. Besonders einzigartig ist, dass man jeweils nur die Meldungen aus jener Region sieht, in der man sich gerade befindet. Wer also quer durch die Schweiz fährt, liest, was HSG-Studierende zwischen und während den Vorlesungen für Gedanken und Sprüche (oft übrigens auch altbekannte Witze in neuen Zusammenhängen) zum Besten geben, um nachher den «Trashtalk» der Zürcher Studierenden mitzubekommen und schliesslich das Niveau und die Schlagfertigkeit des akademischen Berner Nachwuchses kennenzulernen. Insgesamt eine schöne Ablenkung vom harten (?) Studienalltag. Nervig wird es erst dann, wenn die persönliche Kommunikation beim Smalltalk in der Bar oder im Kaffee oder bei der Mittagspause in der Mensa nur noch aus «Kennst Du den schon?»-Stücken besteht, die man aus Jodel längst kennt. Man gönnt sich ja sonst nix während des Studiums, oder?

04.08.2016

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.