Was tun, wenn es (nicht) funktioniert

Als wir Digital Immigrants, die bald zu den «Golden Agers» werden, aufwuchsen, da wurden Dinge noch geflickt, wenn sie nicht mehr funktionierten oder beschädigt waren: Das galt für Beziehungen ebenso wie für Fahrräder, Kleider und technische Geräte. Heute werden diese Dinge im Fall eines Problems ersetzt und ausgetauscht: Der Partner, das Handy, der Computer. Und selbst wenn der User selbst das Ding noch behalten möchte und brav danach fragt, ob es sich flicken lasse: Er muss immer damit rechnen, dass ein neues Gerät zurückkommt. Gut, dass wir inzwischen die Daten nicht mehr direkt auf den Dingern, sondern in einer unabhängigen Cloud speichern. So ist sichergestellt, dass wir auch mit dem neuen Gerät sofort dort weitermachen können, wo wir mit dem alten schon waren. Ob das mit Gefühlen in Partnerschaften heute auch schon so ist? Sind die auch in einer persönlichen Cloud, bei der der jeweils «angeschlossene» Partner nur noch so eine Art Handy sein muss, das Daten automatisch übernimmt? Egal, als Digital Immigrants haben wir uns inzwischen daran gewöhnt, dass nicht mehr funktionierende Dinge ausgetauscht statt geflickt werden. Wir können es uns ja meistens leisten – oder sind entsprechend versichert. Viel mehr Mühe haben wir damit, dass funktionierende Dinge, die uns gefallen, ersetzt werden (müssen): Software, die unseren Ansprüchen monatelang genügt hat, bekommt ohne Bestellung ein Update, und neue Mobiles oder iPads kommen auf den Markt, obwohl die bisherigen für unsere Bedürfnisse vollauf genügen. Das verstehen wir nicht. Und kaufen die neuen Dinge trotzdem, weil wir gute Immigrants sein wollen.

07.04.2016

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