Von «Lurkern» und anderem Murks

Die meisten dürften wissen, was «responsive Design» bedeutet: Websites werden heute so gestaltet, dass sie sich in ihrer Form dem jeweiligen Gerät anpassen, auf dem sie abgerufen werden. Weniger häufig ist von «responsive Content» die Rede, also von Inhalten, die sich dem Gerät anpassen. Dabei macht unser aller Facebook gerade das doch ganz klassisch vor: Nur auf dem Handy werden wir ständig gefragt, ob wir die eben geschossenen Bilder nicht endlich an unsere Wall hauen möchten. Und, ja, liebe beste Ehefrau von allen, Dein Stream auf iMac, iPad und iPhone ist (fast) nie derselbe. Das nervt Dich, während es mich freut, weil es symbolisch für die neue, digitale Welt steht: Verlass Dich auf nichts und niemanden und schon gar nicht darauf, dass Facebook Dir das zeigt, was Du gerne hättest. Und so sehen wir dann im nicht enden wollenden Stream immer wieder mal Bilder von gestern und News von vorgestern, weil er uns – selbst wenn wir das schon x-mal so eingestellt haben – eben ganz ungern die Meldungen in chronologischer Reihenfolge zeigt. Er (Zuckerberg!) will, dass wir liken, was andere schon oft gelikt haben. Und sehen, was andere auch sehen wollten. Dabei schafft es nur ein Bruchteil unserer Freunde in unseren Stream, auch wenn wir sie favorisieren oder «abwählen» können. Für mich kommt das als ziemlicher «Murks» daher. Immerhin, wenn man Facebook-Freunde auch im realen Leben trifft, dann outen sich viele – unfreiwillig – als «Lurker», so genannte «Herumschleicher», die selbst nie Inhalte posten, sondern nur bei anderen lesen (und uns deshalb auf die letzten Ferienposts ansprechen). Sie sind jenen Nachbarn ähnlich, die uns täglich genau beobachten, ohne selbst je das Haus zu verlassen.

18.08.2016

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