Von analogen Bloggerinnen und Bloggern

Ein Stück weit sind wir ja alle, die wir regelmässig in sozialen Netzwerken etwas posten, Bloggerinnen und Blogger. Würde mich noch interessieren, ab wann man von einem «richtigen» Blogger oder einer Bloggerin spricht: Müssen die Beiträge länger, klüger, spannender sein als bei Normalsurfern? Muss man ein eigenes Blog-Gefäss mit schönem Titel und einen coolen Blogger-Namen haben? Oder muss man einfach ausgefallenere Ideen haben als andere, indem man zum Beispiel als Videoblogger sich selbst jeden Tag beim Anprobieren neuer Kleider filmt und kritisch kommentiert? Der Übergang vom normalen User zum Blogger ist wahrscheinlich fliessend. Spontan würde man meinen, dass Likes, Friends und Followers die «Währung» sind, mit der Blogger den Erfolg in der digitalen Welt messen. Und da sind wir alle auch kleine Blogger, wenn wir morgens nach dem Mobile greifen und gespannt drauf schauen, wie viele Leute seit gestern Abend unseren Post oder unser neues Selfie geliked haben. Tatsächlich erhalten einige Blogger mit vielen Followern Geld dafür, dass sie Werbung auf ihrer Blog-Seite (und manchmal auch in ihren Texten!) verbreiten. Aber: Die meisten Bloggerinnen und Blogger verdienen ihr Geld in der analogen Welt! Indem sie dort das, was sie online gepostet haben (und was wir dort kostenlos nachlesen können), in Referaten nochmals erzählen oder in Büchern zusammenfassen (und wir können es dann kostenpflichtig anhören oder im Buch nachlesen). Und wisst Ihr was? Wenn ein Verlag eine(n) Blogger(in) fragt, ob er ein Buch mit Blog-Beiträgen machen darf, dann empfinden das viele als höchste Auszeichnung ihrer Arbeit. Und so kann es passieren (ist mir Anfang dieses Jahres so gegangen), dass eine Bloggerin eine Direktnachricht via Messenger oder ein Mail 14 Tage nicht beantwortet, weil sie – vermutlich auf einer wunderschönen Insel in der analogen Welt – die eigenen Tweets und Post zu einem Buch verarbeitet.

28.01.2016

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