Taxi per Brief

Wir Digital Immigrants lernen gerne von den Digital Natives – denn das haben wir von den Generationen Y und Z schon übernommen: Jede/r kann vom anderen lernen und Wissen teilt man. Schade finde ich nur, dass die Natives hin und wieder in dieselben Muster verfallen, wie sie unsere Lehrerinnen und Lehrer noch pflegten. Dann dozieren sie aus Sicht des Wissenden, als ob sie ein Kind in der ersten Primarklasse vor sich hätten. Das macht auch Philipp Riederle, Vorzeige-Y-Digital-Native der ersten Stunde, in seinem neusten, übrigens auch analog erhältlichen Buch. Da gibt es tatsächlich einen Zwischentitel «Taxibestellung – per Brief?» Vielleicht hat er es ja nicht so gemeint, aber das zielt doch darauf, als gäbe es – unter uns Digital Immigrants – Leute, die in ihrem Leben ein Taxi noch per Brief bestellt hätten. Sorry, auch wir sind nicht in Höhlen aufgewachsen, haben nicht mit Steinen schreiben gelernt oder sind mit Speeren auf die Jagd gegangen. Unsere Generation hat all die Geräte erfunden und gebaut, die eine digitale Welt ermöglicht haben. Die First mover unter uns haben immerhin seit über 30 Jahren Personal Computer zuhause (zuerst Atari, dann Mac) und kennen Websites und Mails seit über 20 Jahren. Mit uns muss man also auch als Yler nicht so sprechen, wie es in der analogen Welt Einheimische manchmal mit Fremden tun – unvergessen bleibt mir da der Schweizer Busfahrer, der zu einer dunkelhäutigen Frau sagte: «Du kommst doch aus eine Land, wo immer warm». Also, Digital Natives, sprecht mit uns ruhig in Eurer Sprache, wir lernen gern.

30.03.2017

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