Situps ganz ohne Handy

In den Galeeren, mit denen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit Kriege geführt wurden, sassen jeweils Dutzende, manchmal sogar Hunderte von Sträflingen und Sklaven, die – angetrieben von Rufen oder einer Trommel – mit ihrem Rudern das Schiff bewegen mussten. Ein Deck weiter oben sass der Kapitän mit seinen Offizieren und befehligte. Zuweilen kommt es einem heute so vor, als ob wir Handybenutzer unten sässen und uns auf Befehl von oben, wo unsere Handys den Ton angeben, «bewegen» müssen: Entweder ganz wörtlich gemeint, indem wir Schritte tun statt nur am Schreibtisch zu sitzen, oder dann im übertragenen Sinn, wenn wir mit Rauchen aufhören oder mit Yoga beginnen sollen. Dazu lassen wir uns vermessen, tragen Brustgurte, Armbänder oder Uhren, die ständig oder zeitweise mit unserem Mobile verbunden sind. So entsteht das «quantified self», also das «ausgemessene Selbst» («vermessen» könnte man auch sagen, ist aber doppeldeutig). Das gilt es nun zu optimieren. Anders als eine neuere Studie es sagt, kenne ich mehr Digital Immigrants als Digital Natives, die sich so digital «antreiben» – das schönere Wort dafür heisst «motivieren – lassen». Das mag mit meinem Bekanntenkreis zusammenhängen, aber gerade die Ü50-Generation erhofft sich vom Handy immer wieder Impulse, sich besser um die eigene Fitness und Gesundheit zu kümmern. Da werden dann Daten über Schlaflänge und -tiefe diskutiert, die Anzahl Tage mit mehr als 10’000 Schritten kundgetan oder die Situps via App gezählt. Kollegen, das alles geht auch ohne App und Handy, und bei deren Fehlerquote im Zählen (die soll bei 20 Prozent liegen) könnt Ihr auch gleich einfach eine Zahl erfinden, die Ihr dann im Bekanntenkreis zum Besten gebt. Ob Ihr Situps macht oder nicht, seht Ihr mit einem Blick auf den Bauch eh schneller als mit einem Blick aufs Handy.

03.05.2018

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