Seid Ihr schon omline?

Es sind ja oft jene Wörter am interessantesten, die man zuerst für einen Druckfehler hält. «Omline» ist so ein Wort, das jedenfalls wir Digital Immigrants sofort einer fehlenden Autokorrektur im Computer eines Bloggers oder einer Journalistin zuschreiben. Aber nein: «Omline» gibt es natürlich, und es ist eine dieser neudeutschen Wortschöpfungen, wo zwei Begriffe ineinander verschmelzen. Das «Om» stammt aus der (Zen-)Meditation, das «line» natürlich von «online». Das Wort bringt damit den Trend zum Digitalen zusammen mit dem Gegentrend «Achtsamkeit». Gemeint ist damit nicht nur, dass Achtsamkeit und Yoga die Welt des Silicon Valley – und anschliessend auch jene der Natives und Immigrants – erobern. Wer statt «online» neu «omline» ist, setzt die neuen digitalen Werkzeuge auch achtsamer ein, macht auch mal eine analoge Pause (und richtig Yoga) oder schaltet sein Mobile auch mal einen Tag lang aus (darüber haben wir ja letzte Woche philosophiert). Digiimmis wie mich bringt dieser (Gegen-)Trend aber ziemlich ins Schwimmen – bevor ich mich so richtig ins Digitale integriert habe, soll ich mich innerlich schon wieder von dieser neuen Welt distanzieren und mich nur mit mir selbst und meinen Gedanken beschäftigen. Dabei finde ich doch soviel Ablenkung und spannende Ideen nicht in mir, sondern im Netz. Meine Theorie ist eine ganz andere: «Omline» ist in einer Gruppe entstanden, die sich unerwartet in einem Funkloch ohne Wifi befand und aus dieser Not («Wir sind offline!») eine Tugend («Wir sind omline!») gemacht hat. Und nur weil sie später wieder Netz hatten, wurde die Geschichte zum Trend. Diese Vermutung von mir ist zwar nicht besonders achtsam, aber ich bin halt noch nicht soweit.

21.01.2016

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