Schritte zählen für 20 Rappen

Weil es inzwischen auch manchen Digital Natives zu dämmern scheint, dass Online-Sein und -Surfen nicht der eigentliche Lebenssinn ist oder sein kann, nehmen derzeit die Versuche zu, das Handy, das Wearable oder überhaupt Geräte mit Online-Zugang mit Sinn zu versehen: Ganz häufig geht es dann um die Gesundheit. Und dann wird aus der doch eher banalen Pokémon-Jagd plötzlich eine sinnvolle Bewegungs-App, und auch Digital Immigrants (häufig als Eltern mit dem Pokémon-Fieber des Nachwuchses überfordert) stimmen dann in den Chor mit ein: «So gehen die Jungen wenigstens mal nach draussen und bewegen sich vom Sofa weg.» Hey, Leute, das machen Raucherinnen und Raucher auch. Nur bekommen sie dafür (noch) kein Geld von der Krankenkasse. Einzelne dieser Einrichtungen, die ab dem kommenden Jahr wieder ein paar Prozent mehr von uns als Prämie verlangen, fangen nun an, zusätzlich zu Fitness-Abos oder Golf-Zubehör auch Tracking-Geräte mitzufinanzieren. Frei nach dem Motto: Liefere mir Deine Daten, dann zahl’ ich Dir was dafür. Natürlich ist das – mit ein paar Jahren Verspätung – nur die Adaption der Fahrtenüberwachung, wie sie Autoversicherungen den Junglenkern als Prämien-Spar-Instrument verkaufen. Das Gerät mit zu bezahlen ist aber nur halb so spannend wie das Auszahlen eines Bonus, wenn die Leistung, die das Gerät misst, auch wirklich erbracht ist. Für ein paar Rappen pro Tag mehr Schritte als nötig zu gehen, das kann aber wohl nur mit einem Trick funktionieren: Verbindet die App doch einfach mit Pokémon, liebe Swica & Co.! Dann bewegt sich zumindest die Jugend auch ohne Prämienbonus.

25.08.2016

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.