Nein, es funktioniert nicht!

Klar, es ist der Traum des kleinen Mannes oder der kleinen Frau: So sehr wir es als Digital Immigrants schätzen, dank Facebook zu wissen, was die Nachbarn tun, auch wenn wir nicht zu Hause sind, so gern würden wir diesem Datenkraken ins Geschäft pfuschen. Diesen berühmten Algorithmus, den keiner wirklich kennt, überlisten. Und da sind viele von uns anfällig auf vermeintliche Tricks, wie man diese Maschine überlisten kann. Zu Dutzenden kopieren die Freundinnen und Freunde den Statusbericht, wonach «es funktioniert»: Dass nämlich jene, die diesen Status kommentieren, nachher im Nachrichten-Feed des FB-Freunds «bevorzugt» mit ihren Meldungen erscheinen statt, wie dieselbe Nachricht behauptet «immer die 25 gleichen». Die Sache hat – wie meisten Betrügereien übrigens auch – einen wahren Kern, denn tatsächlich zeigt uns der FB-Feed ja News von Freunden, mit denen wir in der Vergangenheit viel agiert haben (denen wir also Likes, Kommentare etc. geschenkt haben). Nicht ganz zu Unrecht geht Facebook davon aus, dass wir mehr mit Leuten korrespondieren, die uns auch interessieren. Dass nun aber ein einzelner Kommentar zum erwähnten Statusbericht (er beginnt wie erwähnt mit «es funktioniert») etwas an der Auswahl des Facebook-Feeds ändern würde, erwartet wohl kein vernünftiger Mensch. Trotzdem kopieren viele meiner Friends diesen virtuellen Kettenbrief wie wild, egal, ob sie ihre Bildung in frühester Kindheit oder 30-jährig mit einem Doktorat abgeschlossen haben. Immerhin, dafür muss ich Facebook loben: Es legt die Grenzen menschlichen Verstands gnadenlos offen und macht (fast) alle gleich.

20.09.2018

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