Mit und ohne Photoshop

«Junge Ärztin aus Köln, attraktiv auch ohne Photoshop (35/160) sucht Mann fürs Leben mit Kinderwunsch» – dieses Zitat aus der FAZ-Sonntagsausgabe verrät einiges. Zu allererst kommt damit heraus, dass ich Kontaktinserate lese – meine Frau, da kann ich Euch beruhigen, weiss davon und sie ist einverstanden, solange ich nur lese und nicht Kontakt suche 😉 Zum zweiten aber sieht man, dass auch Menschen, die deutlich mehr als die Hälfte ihres Lebens im «Internet-Zeitalter» gelebt haben, noch daran glauben, einen Partner via klassische Zeitung zu finden. Schliesslich, und das ist mein Thema heute, zeigt es, wie vergleichsweise einfach die Partnersuche für uns heutige Digital Immigrants im analogen Zeitalter doch war. Mit manipulierten bzw. dank Technik verschönerten Porträts hatten wir noch nichts zu tun, damals zählten (auch) noch die inneren Werte, und das Wort «Photoshop» hätten wir wohl als Fotoladen übersetzt. Klar, das ist jetzt auch etwas schöngeredet (was übrigens das Wort für eine Art «Photoshop für Texte» ist). Vielleicht gibt es neben dem Eigenlob der Inserentin aber auch noch versteckte Botschaften im zitierten Satz, zum Beispiel «Wer immer sich meldet, muss ebenfalls attraktiv auch ohne Photoshop sein» oder «Ich will einen Partner, der mich im richtigen Leben auch anschaut und beim Date nicht nur auf mein Facebook-Profil blickt» oder (meine Vermutung) «Online bin ich nur mit «ge-photoshop-ten» Bildern präsent, aber Ihr Zeitungsleser müsst wissen, ich bin auch sonst attraktiv». Da sag’ ich nur: Kompliziert ist die Welt geworden ob mit oder ohne Photoshop, nicht wahr?

04.05.2017

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