Mehr als ein paar «Momente»

Der Name der App ist ganz harmlos: «Moment» heisst sie, und sie hilft uns, unseren Handy-Gebrauch zu kontrollieren bzw. – um es in der Sprache der Digital Natives zu sagen – zu «tracken» (By the way: Man darf heute ja auch nicht mehr «abstimmen» sagen, sondern nur noch «voten»). Und ja, da stehen abends bei mir dann Werte zwischen 1 Stunde 52 Minuten und 7 Stunden 38 Minuten. Da fragt man sich schon: Habe ich an diesem Tag eigentlich sonst noch etwas getan als auf meinem Mobile Mails gecheckt, Fotos verschickt, Facebook-Timeline verfolgt und Nachrichten gelesen? Wenn man weiterklickt, gibt es auch Details zum Suchtverhalten: Benutzung unter 10 Minuten wird grün, zwischen 11 und 20 Minuten gelb und darüber rot angezeigt. Und natürlich sehe ich auch, wie oft ich das Handy in die Hand genommen und entsperrt habe: Letzte Woche gab es bei mir täglich zwischen 15 und 42 solcher «Pickups». Wieder so eine unnütze und unnötige App-Spielerei, werdet Ihr nun denken. Nein, halte ich dagegen: «Moment» hilft zumindest, die eigene Handy-Nutzung mal kritisch zu hinterfragen und zu überlegen, ob diese Zeit allenfalls doch sinnvoller eingesetzt werden könnte. Und für die ganz schlimm Süchtigen bietet es auch die Möglichkeit, tägliche Limits zu setzen und die «bildschirmfreie Zeit» als Anreiz zu messen. Die 5 Franken fürs Freischalten solcher Funktionen spare ich mir jedoch: Mein Aha-Erlebnis ist gross genug, um etwas achtsamer mit der Handy-Nutzung umzugehen und die gesparten «Momente» anderem zu widmen.

02.06.2016

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