Mails sind (leider) noch nicht tot

Seit Jahren füllen sogenannte Internet-Experten und Social Media-Kennerinnen Säle und Seminare mit Referaten über das Ende der Kommunikation via E-Mail. Ich vermute mal, dass diese Theorie aus ähnlichen Köpfen stammt wie jene zum papierlosen Büro: Lange angekündigt, noch viel länger (weiter) erzählt und doch nie Wirklichkeit geworden. Natürlich schreiben wir privat, zum Beispiel mit Freunden und Familie, heute weniger Mails als in den Nullerjahren. WhatsApp und andere Chat-Formen unterstützen die gewünschte, informelle Kommunikation viel besser. Ich habe eigentlich nur noch einen (in Zahlen: 1) Kontakt, mit dem ich per Mail noch «chatte». Im geschäftlichen Umfeld nehmen die Mails aber, so wie ich das sehe bzw. «fühle» immer noch zu. Und jetzt habe ich tatsächlich so einen amerikanischen Ratgeber (Kleinstformat, ca. 20 Seiten) gelesen – und das nicht mal online, sondern wirklich in Form eines Büchleins. Kurz zusammengefasst: Es empfiehlt, sämtliche Mails in nicht mehr als vier Ordnern im Mailprogramm abzulegen. Auf Details verzichte ich, aber ich vermute, dass der Effekt so ähnlich ist, wie wenn ich alle Unterlagen von meinem Schreibtisch in einen Schrank verschiebe: Hauptsache, nichts mehr im Blickfeld bzw. Mail-Eingang 😉 Dass wir nur ein-, zwei-, höchstens dreimal pro Tag überhaupt ins Mailprogramm schauen sollten, wissen wir alle, macht aber keine/r. Vielleicht ist eh Galgenhumor die beste Strategie, mit der Mailflut umzugehen. Heute in einer Sitzung gehört: «Ich war nur im CC, deshalb habe ich nicht geantwortet». Da sagt der Mailversender: «Das ist bei mir eher Zufall, wer im richtigen Adressfeld und wer im CC landet.» Darauf der erste: «Bei mir ist das mit dem Antworten auch Zufall.» Das wäre doch mal eine Regel: Einfach nur noch per Zufallsprinzip auswählen, welche drei Mails wir heute beantworten. Try it out!

19.10.2017

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