Liken kann auch was kosten

Jetzt ist es also auch bei uns da, das erste Gerichtsurteil: Ein Like für einen Post, der einen anderen aus dessen Sicht beleidigt, kann dazu führen, dass nicht nur derjenige, der den Kommentar geschrieben hat, verurteilt wird – sondern eben auch der «Liker». In diesem Fall hat der Verurteilte immerhin 4000 Franken zu bezahlen. Das Zürcher Gericht hat das «Like» als zustimmende bzw. «positive» Äusserung beurteilt, mit der also der Beklagte gezeigt hat, dass er inhaltlich mit den – in diesem Fall ehrverletzenden – Äusserung einverstanden war. Das hätten wir nie gedacht: Ein «Like» ist positiv gemeint! Bisher dachten wir immer, dass es nur ironische Likes gebe oder solche, die nur bedeuten, wie sehr man sich darüber freut, dass der andere endlich mal wieder etwas gepostet hat. Das ist nun also ein für allemal klargestellt. Inzwischen ist glücklicherweise die Like-Palette ja in den meisten Kanälen grösser geworden, so dass man die Gefühle und Meinungen zu einem Post deutlich differenzierter als mit dem Daumen nach oben kennzeichnen kann. Wir schwanken in unseren Gefühlen gegenüber dem Gerichtsurteil noch zwischen den Emojis «Freudentränen», «vor Angst schreien» und «Stark weinen». Deshalb muss die Like-Palette aus unserer Sicht so verändert werden, dass wir uns bei Facebook nicht für ein Emoticon entscheiden müssen. Geht bei Whatsapp und so ja auch, dass wir unsere Gefühlspalette (fast) vollständig in eine Nachricht mit Worten und «kommentierenden» Emojis verpacken können. Und für ironisch gemeinten Emoticon-Einsatz könnte ja eine (andere) Farbe definiert werden, z.B. Lila. Das ist meine Lieblingsfarbe (nicht ironisch gemeint!).

08.06.2017

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