Im Internet ist’s gar nicht günstiger

Es gehört ja zu den modernen Wirtschaftslegenden, dass Konsumentinnen und Konsumenten den Innenstadt-Läden abhandenkommen und «im Internet» einkaufen, weil sie dort alles schneller, günstiger und besser bekommen. Da kommt mir natürlich die bekannte Grafik mit den drei Kreisen «gut», «günstig» und «schnell» in den Sinn, die leicht überlappen. In der Mitte, wo alle drei zusammenkommen, steht wahlweise «träum weiter», «unrealistisch» oder «hier lebt das Einhorn». Das heisst: Wer erwartet, dass er ein Produkt oder eine Dienstleistung mit hoher Qualität sofort und günstig bekommt, der irrt sich. Immerhin: Dank Internet kann ich Preise ziemlich global vergleichen und merke, ob der Lokalhändler meines Vertrauens mich abzockt oder realistische Preise verlangt. Wenn er das Internet als Chance sieht, könnte er sein Sortiment (virtuell) vergrössern und auch online verkaufen, während er vor Ort mich beim Einkauf berät, egal ob das Gesuchte bei ihm im Laden oder online verfügbar ist – vom Verwalter eines Ladens also hin zum Berater. Wäre das nicht «Job Enrichment»? Aber zurück zu uns Kund(inn)en, von denen viele aus dem Internet-Einkauf nicht «günstiger» rauskommen als im Laden, wie mir kürzlich Denise G. aus W. beichtete, die sich in Sachen Digital als Halb-Immi-halb-Native sieht: Zum ersten Mal im Online-Shop des Grosshändlers unterwegs, kaufte sie doppelt soviel wie sonst im Laden, wie sie mit Blick auf die Kreditkartenrechnung feststellte. Und bei der Lieferung entpuppte sich die angeklickte Menge an Passionsfrüchten als leicht zu gross, so dass sie diese Dinger jetzt wochenlang futtern muss. Im Laden hätte sie das – nehmen wir zu ihrer Ehrenrettung mal an – vor dem Kauf bemerkt. Wäre also günstiger gewesen

Im Internet ists gar nicht günstiger
26.01.2017

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