Im Hallen-Stau-dion

Konzerte sind ja heute ganz anders als früher: Kam man seinerzeit frühestens beim Eingang ins Hallenstadion in einen «Stau», so herrscht heute, zumindest bei Weltstars wie Adele, der grösste Stau schon in den ersten Sekunden des Online-Verkaufsstarts. Und nur wenige (also diesmal 2 Mal je ca. 15’000) von gefühlten Hunderttausenden kommen überhaupt durch dieses Nadelöhr an ihr Ticket. Ja, vor Ort, da gibt es nach wie vor ein wenig Stau vor dem Eingang, aber der Laser-Scan für den Ticketcode auf Papier oder auf dem Handy ist schnell. Fast so schnell sind die ersten Videos vom Eröffnungssong auf Instagram oder Facebook, und tatsächlich scheinen einige das ganze Konzert durch die Kamera des eigenen Handys hindurch zu verfolgen. Und wenn ein hochzeitswilliges Männerpaar nach dem Antrag auf der Bühne das Selfie schon zu vergessen scheint, dann macht Adele selbst darauf aufmerksam, dass sie für ein solches gern zur Verfügung steht. Eine halbe Stunde später bewegt sie sich auf der mitten im Publikum platzierten Zweitbühne wie ein Wildtier allen vier Seiten entlang und streckt den Hunderten von Handys ihre schönste Social Media-Schnute entgegen, die sie draufhat. Schon ein paar Songs vorher hatte sie dazu aufgefordert, die Mobiles («Handy» gibt es ja nicht in ihrer englischen Muttersprache) im Taschenlampen-Modus als Ersatz für die früher gebräuchlichen Feuerzeuge einzusetzen. Da fallen die Akkuladungen so tief wie die Handys selbst warm werden. Am nützlichsten aber wird das Handy definitiv nach dem Konzert: Die Wartezeit bei der Parkhaus-Ausfahrt (deswegen hat sie wohl die Form einer Schnecke) ist elendiglich lang bzw. sie wäre es. Bis nämlich alle restlichen Fotos und Videos hochgeladen und ausgetauscht und die Likes auf allen Plattformen nachgezählt sind, dauert es. Ein Hoch auf diesen Ausfahrtsstau!

19.05.2016

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