Hype, Hype, Hype

Ähnlich wie der «Shitstorm» hat auch der «Hype» erst in Zeiten des Internets so richtig Verbreitung gefunden. Natürlich gab es auch in der analogen Welt schon Begeisterungsstürme – z.B. für die Beatles oder die Rolling Stones. Aber die gab es dann an genau einem Ort: Nämlich dort, wo diese Bands grad auftraten, aus dem Flugzeug stiegen oder vom Hotelbalkon winkten. Die heutigen Hypes entwickeln sich oft global, und häufig steht dahinter auch ein geschicktes Marketing. Sie ahnen es: Ich spreche von Pokémon Go, dem neusten Spiel für mobile Geräte, bei dem an sich vernunftbegabte Wesen (fast) jeden Alters auf der Strasse rumlaufen und versuchen, die als «augmented reality» auf dem Bildschirm erscheinenden wilden Pokémons mit Bällen zu treffen, um anschliessend mit Bonbons und Sternenstaub (!) belohnt zu werden. Begonnen hat das Ganze anscheinend als Aprilscherz bei Google, und jetzt ist ein Spiel daraus geworden, das als erstes die Grenzen zwischen Virtualität und Realität so richtig verwischt: So kann, wer virtuell die Pokémons jagt, durchaus real von einem Auto überfahren werden, weil er/sie ganz in die virtuelle Welt eingetaucht ist. Google Maps und Figuren sind schön übereinandergelegt, finde ich, das Spiel selbst ist einfach genug für mich als Nicht-Gamer – obwohl ich mich beim Einstieg leicht nerven musste: Serverprobleme, nur leicht anpassbare Avatare und dann die Frage, ob ich den gewählten Nickname wirklich will, nur um mir nachher zu eben diesem Namen zu gratulieren. Ich befürchte, dass dieser Hype anhalten wird – weil er das «Geocaching» einfacher und damit mehrheitsfähig macht: Da nützt es auch nichts, dass ich als Immigrant es bereits wieder gelöscht habe. Die Natives lieben es, und die ersten Unternehmen kaufen schon Plätze für ihre Pokémons, um die Gamer zu sich zu locken und ihnen dann etwas zu verkaufen – vielleicht Bonbons oder Sternenstaub.

21.07.2016

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