Halbfett und kursiv

Halbfett und kursiv

Da gibt es diese altkluge These, dass wir verwöhnten Kinder der modernen westlichen Gesellschaft uns über nichts mehr wirklich freuen können, schon gar nicht über kleine Dinge. Und zwar weil wir verwöhnt seien und eh nur immer am Handy hängen statt die Natur zu beobachten. Und dann das: Auf Socialmedia-Plattformen wird ein «Geheimcode» enthüllt, wie man in Whatsapp einzelne Wörter halbfett, kursiv oder durchgestrichen schreiben kann. Und schon haben alle damit so viel Spass, dass sie Wörter mit zwei * oder zwei _ oder zwei ~ «einpacken» und sich darüber freuen, wenn das beim Gegenüber eben halbfett, kursiv und durchgestrichen ankommt. Da spielt es dann auch keine Rolle, dass diese «Codierung» aus anderen Programmen längst bekannt ist und auch in Word bestens funktioniert (ja, testet es ruhig und habt Freude daran!). Das ist das Schöne an unserer digitalen Welt: Alte Geschichten, kleine Gimmicks und Alltäglichkeiten lassen uns lächeln, bringen uns dazu, Dinge auszuprobieren und machen Freude. Und während die einen angesichts Tausender von Katzenvideos befürchten, die Menschheit verblöde langsam (oder schnell!), freuen sich die anderen, dass längst bekannte Witze, uralte Weisheiten und eben auch «Geheimcodes» dank unserer digitalen Demenz alle paar Tage wieder so wirken, als hätten wir sie noch nie gesehen.

31.03.2016

3 Gedanken zu „Halbfett und kursiv&8220;

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