Fahrplan à la carte

Kürzlich in einer Bahnhofsbar in einer grösseren Schweizer Stadt: Zwei Männer über 50, beide also Digitale Immigranten, schauen nach einer Sitzung auf ihre Smartphones, um die nächste Zugverbindung nach Zürich zu finden. Beide schauen in dieselbe App, geben dasselbe Ziel ein. Doch zumindest eine Verbindung wird nur auf dem iPhone des einen angezeigt, während sie auf dem Samsung des anderen fehlt. Sind Fahrplananzeigen nun auch schon individualisiert programmiert? Natürlich weiss der Digiimmi, dass er bei Flugpreisen (jedenfalls dann, wenn er bei einer Fluggesellschaft eingeloggt ist, die ihn schon kennt) möglicherweise – wenn er vom iPhone aus recherchiert – mehr bezahlt, als der Nachbar, der von einem alten Windows-PC aus sucht. Ist ja auch sozial gerecht und angemessen, wenn Leute mit teuren Geräten für Flüge mehr bezahlen, oder? Dass nun aber ein ganzer Zug nur für die einen sichtbar wird, während andere auf spätere Verbindungen warten müssen, ist schon schwer verständlich und löst eine ganze Menge Fragen aus: Ist das denn ein Sonderzug für iPhone-Nutzer (immerhin würde man dann nicht von Fahrgästen mit No-Name- und billigen Mobiles umgeben sein)? Weiss mein Handy, dass ich schneller beim Gleis bin als mein Kollege, und weiss sein Handy ebenso, dass er es so schnell nicht mehr zum Zug schafft? Könnte es sein, dass der zusätzliche Zug angezeigt wird, weil ich ein Erste-Klasse-Ticket habe und er nur eines für die zweite? Ich werde diese Fragen gelegentlich den SBB zustellen. Im Moment möchte ich deren Entwickler aber nicht stören, damit sie ganz schnell die App nachbauen, die einige Regionalbahnen bald anbieten. Die wird mich vom Ticketkauf entlasten, weil sie immer dann, wenn ich einen Zug benutze, nach meinem Aussteigen den günstigsten Preis berechnen und via Handy-Abo verrechnen wird. Dem sagt man dann «Convenience».

27.04.2017

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