Endlich mein eigenes Echo

In der analogen Welt wird langjährigen Ehemännern wie mir manchmal unterschoben, sie seien nur noch als «Echo» ihrer Frau unterwegs. Stimmt so natürlich nicht, aber wer von uns hätte nicht gern so ein persönliches Echo, das nicht nur alles wiederholt, was man so vor sich hin sagt, sondern auch noch auf Befehle reagiert und (um nur ein paar Beispiele zu nennen) Musik auf Wunsch abspielt, Fragen beantwortet, Hörbücher vorliest, dazu noch Nachrichten, Verkehrs- und Wetterinformationen und sogar Sportergebnisse (!) liefert und Lampen, Lichtschalter und Thermostate steuert. Und das Beste von allem: Dieses Echo lernt immer mehr dazu – was man von den Echo-Nutzenden wahrscheinlich so allgemein nicht behaupten kann. Und das Beste für alle Kritiker, die immer sagen «Internet ist sowas von unpersönlich»: Dieses Echo hat sogar einen Namen und eine Stimme. Ist zwar noch ein schwarzes, lautsprecherähnliches Ding und noch kein lebendiger Avatar, aber immerhin: Alexa kann man beim Namen nennen und rufen. «Hab ich schon lange», denkt sich der eine oder andere, bei mir heisst das Ding einfach «Siri». Stimmt auch wieder: Aber die wenigsten verwenden das iPhone mit Sprachsteuerung, weil es ja auch Tasten hat. Alexa (von Amazon, in der Schweiz leider noch nicht erhältlich) hat keine Tasten, so dass wir mit ihr reden müssen! Könnte also auch sein, dass das ein verkapptes Therapiegerät für all die sprachlosen Männer da draussen ist, die so wieder lernen, sich klar auszudrücken und die so merken: Ohne persönliche Kommunikation geht gar nichts! Massenbestellungen von Kindern, die einfach mal «1000 Legosteine» gerufen haben sollen, werden aus den USA gemeldet. Mal sehen, wie lange es geht, bis Alexa das erste Mal als Scheidungsgrund genannt wird: «Er hat nur noch mit Alexa gesprochen. Das hat mir das Herz gebrochen.»

13.04.2017

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