Digitales und reales Leben

Es war die bisher berührendste Szene, die ich an der Schnittstelle zwischen digitaler und analoger Welt je erlebt habe: Eine Bekannte, mit der ich auch auf Facebook befreundet bin, schenkte meiner Frau und mir die Vergrösserung eines Familienfotos, das wir beide schon als Titelbild auf unseren FB-Profilen verwendet hatten. Sie hatte es also (vermutlich online, geht ja nicht anders) bei einem entsprechenden Dienstleister bestellt (früher hiess das noch «entwickeln lassen») und uns damit überrascht. Damit hat sie also den gängigen Vorwurf, FB-Freundschaften seien doch eh nichts wert, mehr als entkräftet. Denn hätten wir je so eine Geste erleben dürfen, ohne online verbunden zu sein? Nein, denn sie hätte ja gar keinen Zugriff auf unsere Bilder gehabt. Der Clou aber kommt erst noch: Weil sie selbst sich in der digitalen Welt noch nicht so auskennt, uns aber wohl fast als «Digital Natives» sieht, war sie überzeugt, dass wir das Bild doch sicher noch nie ausgedruckt haben. Deshalb hat sie es für uns sozusagen aus der virtuellen zurück in die reale Welt geholt, wo man es herumreichen, anfassen und ohne W-Lan oder Computer immer wieder anschauen kann. Man kann solche Immigrants «naiv» nennen, aber eigentlich haben sie mehr begriffen als viele «Natives»: So richtig «in die Hand nehmen» und «begreifen» kann man auch Digitales erst, wenn es einem real begegnet. Gilt übrigens auch für Profile äh Menschen 😉

24.03.2016

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