Digitale Früherziehung

Ich bin als Digital Immigrant wieder mal zutiefst verunsichert: Mir ist zwar klar, dass ich dauernd dran bleiben muss, um die Sprache der Digital Natives immer besser zu verstehen und eines fernen Tages auch als «Einheimischer» in der digitalen Welt zu gelten. Ich habe aber unterschätzt, dass ich auch darauf achten muss, Kinder früh genug in diese Welt mitzunehmen. Meine eigenen Kids sind zwar erwachsen genug, um sich als digitale Zwischengeneration zurechtzufinden (in ihren Kinderzimmern standen immerhin schon die farbigen iMacs der späten 90-er Jahre). Kürzlich las ich aber die Aussage eines Medienpädagogen, dass es kein Problem sei, wenn Kinder unter 2 Jahren noch nie mit einem Tablet oder Smartphone bzw. Apps auf diesen Geräten gespielt hätten. Nach kurzer Rechenoperation in meinem eigenen Kopf und ohne Google-Suche war mir klar: Bei meinem bald vierjährigen Patenkind habe ich also mindestens zwei Jahre verstreichen lassen, ohne es in die digitale Welt der Spiele, Geschichten und Filme eingeführt zu haben. Nun mache ich mir ein schlechtes Gewissen und frage mich, ob dieses Kind den Anschluss an die Gleichaltrigen je noch finden und den Umgang mit all den lebenswichtigen eGadgets dieser Welt lernen wird. Immerhin, so dachte ich mir ganz egoistisch, bleibe ich für ihn dann ein Vorbild, weil er lebenslang auch nur die digitale Intelligenz eines Digital Immigrants erreichen wird. Schliesslich siegte aber mein in der analogen Zeit ausgebildeter, gesunder Menschenverstand: «Ab nach draussen» ist doch auch eine Art Abenteuer-Spiel-App. Und über In-App-Käufe entscheidet dann der Götti.

06.09.2018

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