Digital Detox

Sobald etwas im Überfluss vorhanden ist, stellen sich Süchte ein, und nur ein wenig später gibt es die Gegenbewegung und die Ratgeber, die einen wahlweise in drei, fünf, sieben oder zwölf Schritten vom Problem erlösen: Das ist bei Alkohol, Spielen im Casino, Sex, Arbeit und – ja! – auch beim Internet so. Schon Dutzende von Büchern kommen im Stil von «Ein halbes Jahr offline» daher und schildern, welche (meist positiven) Auswirkungen so ein Verzicht auf alle digitalen Kanäle hat. Dabei ist es wohl so ähnlich wie bei Diäten: Je radikaler der Verzicht, umso grösser wohl die Gefahr eines Rückfalls in alte Zeiten mit digitaler Dauerpräsenz und Online-Sucht. Inzwischen gibt es natürlich auch die «sanfteren» Ansätze, oft zusammengefasst mit «Digital Detox», also Entgiftung oder Entschlackung (genauso wie beim Abnehmen). Natürlich ist es mehr als sinnvoll, sich immer mal wieder zu fragen, ob man wirklich jedem Trend und neuen Kanal hinterher hecheln soll. Genauso wie man/frau nicht jedes Buch und jede Zeitung liest, die im Schaufenster angeboten wird, sollte man auch nicht jede neue App downloaden, nur weil sie gerade «hipp» ist. Aber der Trend nimmt doch zu: Leute haben plötzlich genug von Facebook, Twitter & Co., weil sie schlicht nicht mehr nachkommen mit dem Verdauen der vielen Statusmeldungen und Tierfilmchen. Und dann gibt es noch Leute wie Netscape-Gründer Marc Andreessen, der seine fast 600’000 Follower kürzlich mit dem Tweet «Taking a Twitter break» schockte und später sagte, Twitter habe ihn einfach zu viel Zeit gekostet. Mal sehen, wie lange seine Entziehungskur dauert.

06.10.2016

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