Digirati oder Fashionistas?

Das Wort tönt fast so geheimnisvoll wie «Illuminati», und tatsächlich sind auch mit «Digirati» eine Art «Erleuchtete» gemeint – jene nämlich, die wahre Expertinnen und Experten der digitalen Welt und der digitalen Transformation sind. Die Zusammensetzung aus «Digital» und der Mehrzahl des lateinischen Worts «literatus» (ja, das heisst «belesen») wurde schon in den frühen Neunzigern des letzten Jahrhunderts geboren. Kürzlich habe ich es wiederentdeckt in der Werbung eines bekannten Schweizer Digitalhändlers, der damit Unternehmen bezeichnet, die eine Kultur haben, in der gern digital experimentiert aber auch die Geschäfte digital transformiert werden. Dass allerdings Wikipedia bis heute als einen der «Digirati» immer noch Bill Gates aufführt, erstaunt. Da gehören doch eher die Silicon-Valley-Leute von heute dazu. Lustigerweise findet man unter den Digital Natives kaum Digirati, jedenfalls weniger als bei den Digital Immigrants. Das hat wohl kaum damit zu tun, dass die Wortzusammensetzung lateinisch inspiriert ist, als vielmehr damit, dass die Natives weniger lesen als ausprobieren. Hatte ich das schon mal erwähnt: Handbücher oder Anleitungen zu Software oder Apps brauchen die Jungen nicht (mehr), weil sie eh jeden Knopf, jede Wischbewegung und jede Funktion ausprobieren und so «on the fly» kennenlernen, während wir Älteren gern vorher wissen, was passiert, wenn wir einen bestimmten Knopf drücken. Nur hin und wieder sind wir auch «Digital Fashionistas» und kaufen oder testen eine App, die dem «Mainstream» gefällt, aber eigentlich nutzlos ist.

06.07.2017

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