Der ganz normale Wahnsinn

Okay, so provokativ tönt dieser Titel heute gar nicht mehr – in einer Zeit, in der «Wahnsinn» nicht mehr die Ausnahme, sondern eher die Regel ist, und zwar nicht nur in der digitalen Welt. Zwei, drei Muster dieses ganz normalen Wahnsinns (aus der Perspektive der Digital Immigrants) müssen heute aber sein. Der erste: Was wohl 101 Prozent der Kinobesucher als gelungenen Gag in «La La Land» empfanden, ist wissenschaftlich erhärtet: Wer den Funkschlüssel seines Wagens an seinen Kopf hält (so wie Ryan Gosling das Emma Stone vormachte), erhöht dessen Reichweite. Wir Menschen werden also von den Maschinen nicht einfach verdrängt: Sie setzen uns dann ihrerseits als Maschinen (hier signalverstärkend) ein. Funk ist vielleicht kein digitales Phänomen, aber vielleicht doch ein Beispiel dafür, wie es uns gehen könnte, wenn zum Beispiel Robots unsere Hirne dafür einsetzen, wenn sie mehr von den Usern wissen oder sie besser verstehen wollen 😉 Dabei haben viele von uns Immigrants noch Mühe, uns für die digitale oder die analoge Form von Kommunikation zu entscheiden, was mir kürzlich schlagartig klar wurde, als ich im Zug einen Banker zu seinen Kollegen – alle offensichtlich auf dem Weg zu einer Sitzung – sagte: «Ah, Ihr habt das gar nicht ausgedruckt. Aber ich habe Euch den Link doch geschickt.» Dass «Link schicken» heissen könnte «Druck das aus» würde wohl einem Native nie in den Sinn kommen. Und ein letztes Beispiel: Immigrants in einer Gruppe beim Skifahren sitzen in der Berghütte und konsultieren ihre iPhones, um auf verschiedenen (sich natürlich widersprechenden) Apps zu schauen, wie das Wetter sich entwickelt. Immerhin einer schaut noch aus dem Fenster, um das reale Wetter in die Diskussion einzubeziehen. Bei einer Gruppe von Natives wäre dieser analoge Fehler wohl keinem passiert.

09.03.2017

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