Algorithmen für mich

«Eine bestimmte Eingabe wird in eine bestimmte Ausgabe überführt» – so knackig übersetzt im Online-Zeitalter unser aller Wikipedia den Begriff, den fast alle kennen, den aber fast niemand orthographisch korrekt schreibt: Algorithmus. Immerhin wissen die meisten, dass sie es solchen Algorithmen verdanken, wenn auf ihren Social Media-Kanälen jene Werbung und die Posts jener Freunde angezeigt werden, die zum eigenen Denken und «Posten» passen. Oder eben nicht, wenn die mathematische Logik nicht mit unserem Hirn klarkommt, das einmal nach Comics und das nächste Mal nach klassischer Musik sucht. Und natürlich fühlen wir uns bevormundet, wenn unsere Streams von einer Maschine und nicht von uns selbst gesteuert werden. Und so werden Posts von Stalkern (so wir welche haben) immer angezeigt, während die philosophischen Gedanken eines Yoga-Gurus, den wir während einer Asien-Ferienwoche als Freund auf Facebook angenommen haben, uns nicht mehr erreichen. Während viele sich murrend damit abfinden und andere lauthals gegen jede Art von Steuerung in Social Media protestieren, möchte ich gern mehr davon. Aber bitte «customized» – massgeschneidert auf mich und meine Vorlieben. Statt dass mich meine Social Networks jeden Morgen fragen «Was machst Du gerade?» (natürlich auf den Computer- oder Handy-Bildschirm schauen, was denn sonst?), sollten sie mir doch jeden Morgen ein Menü präsentieren, mit Fragen zum Ankreuzen wie «Von welchem Freund möchtest Du endlich wieder mal was lesen?» «Wer interessiert Dich heute ganz sicher nicht?» bis zu «Wenn Du heute online einkaufen würdest, was wäre das?» Und so weiter, und so fort. Also: Wir als User wünschen, die Maschine liefert. Keine Ahnung, wieso die Tausenden von Digital Natives, die in den Büros von Google, Facebook, etc. sitzen, das noch nicht programmiert haben. Vielleicht deshalb, weil sie sich schon gewohnt sind, dass der Algorithmus für sie entscheidet?

01.12.2016

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